Maximilian Harden

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Walther Rathenau
 

 

 

   

Maximilian Harden

                                                                            

Zwischen Rathenau und Harden reifte ab 1897 eine enge Freundschaft, die ihren Anfang mit der Veröffentlichung von Rathenaus Aufsatz "Höre Israel" in Hardens Zeitschrift  "Zukunft" nahm. Die Freundschaft zerbrach 1912/13.

 

Der letzte überlieferte Brief:

"(...)diese Kränkung trage ich nicht nach, denn ich weiß, daß sie nicht aus Ihrem Herzen kommt. Meine Gesinnung bleibt Ihnen erhalten, es bedarf keiner 25 Jahre um sie zu bekräftigen. Sie werden mich jederzeit in der Freundschaft und Zuneigung wiederfinden in der Sie mich verlassen.

Mit herzlichen Wünschen - nicht nur für Ihre Ruhe, sondern für Ihr Leben und Schaffen. 

Ihr R.

Walther Rathenau - Maximilan Harden, Briefwechsel 1897-1920, Hrsg. Hans Dieter Hellige, Heidelberg und München 1983,  S. 762

 

Sowohl Harden wie Rathenau waren seit ihrer Jugend Juden wider Willen. Sie reagierten auf die ihnen entgegenschlagende Zurücksetzung und Verachtung mit einer gegen sich und ihre Väter gerichteten Distanzierung von der eigenen Herkunft(...) Wie Harden konnte auch Rathenau sich die Zukunft für deutsche Juden nur in der bewußten Selbsterziehung zur 'Anpassung an das Deutschtum' vorstellen. Beide gelangten auf diese Weise zu einer eigentümlichen Mischung von Konservativismus und Aufbegehren, von kritischer Distanz und affirmativer Anpassung an die geltende Werteordnung des Wilhelminismus, die einen unverwechselbaren Beitrag zur deutschen Kulturgeschichte an der Wende zum 20. Jahrhundert bildet.

(S. 11)

 

 

(...) sie lohnt es um so mehr, als die Verbundenheit zwischen Walther Rathenau und Maximilian Harden immer eine persönliche Beziehung von zugleich öffentlicher Bedeutung war; in ihr spiegelt sich das intellektuelle Klima des Umbruchszeitalters zwischen Wilhelminischem Kaiserreich und Weimarer Republik. Dieses Wechselverhältnis von Öffentlichkeit und Privatheit in einer fast drei Jahrzehnte währenden Freund-Feindschaft. (S. 7)

 

In: Freienwalder Hefte 3, Martin Sabrow, Walther Rathenau und Maximilian Harden, Facetten einer intellektuellen Freund-Feindschaft, Akademische Verlagsanstalt, 2000

 

"Tatsächlich verläuft Rathenaus Leben weitgehend beziehungslos. Er hatte nur wenige dauerhafte Freundschaften, wie zu Gerhart Hauptmann oder Maximilian Harden, der allerdings später sein erbitterter Feind wurde.(...) Statt tiefer Bindung sagte man Rathenau hohen "Menschenkonsum" nach, denn er graste Menschen ab und neigte schon gegenüber flüchtigen Bekanntschaften zu vertraulichem Umgang und gelegentlich als peinlich empfundener Überschwenglichkeit, aber ebenso schnell wieder zum Abbruch der Beziehung."

Martin Sabrow: Bemerkungen zu Rathenaus Persönlichkeit und ihrer Wirkung auf die Öffentlichkeit, in: Walther Rathenau 1867-1922, Katalog zur Ausstellung, Berlin 1988

 

 

"Zwischen Harden und Rathenau entwickelte sich nach der Anknüpfung von 1897 eine enge Freundschaft, die zehn Jahren ungetrübt dauern sollte und beide ungewöhnlich bereicherte. Harden bewunderte in dem sechs Jahre jüngeren, geistreichen Großindustriellen den von Natur und Herkunft verschwenderisch ausgestatteten modernen Herrenmenschen. Rathenau mochte gegenüber anderen zwiespältig und kompliziert wirken, - der noch viel kompliziertere, aus viel unglücklicheren Familienverhältnissen aufgestiegene und von entsprechenden Neurosen geplagte Harden fand ihn hell und klar und kraftvoll."

Ernst Schulin: Walther Rathenau; Repräsentant, Kritiker und Opfer seiner Zeit, Muster-Schmidt Verlag Göttingen Zürich, 1992, S. 41

 

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Der Briefwechsel ist zunächst einmal das Dokument dieser engen persönlichen Beziehung, deren Faszination sich über die Spontaneität des Stils vieler Briefe auch dem heutigen Leser noch mitteilt. (S. 9)

  Harden an Rathenau (Weihnachten 1909)                                

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                                                Rathenau an Harden 26. 10. 1919

 

 

"Als zweiter Band der Rathenau-Gesamtausgabe erschien mit dem Band VI der Briefwechsel zwischen Walther Rathenau und Maximilian Harden. Die Herauslösung dieser Korrespondenz aus dem Briefband der Edition empfahl sich nicht nur wegen ihres Umfanges, sondern auch, weil nur so die Geschlossenheit und Kontinuität des sich über zwei Jahrzehnte erstreckenden Briefwechsels zur Geltung kommen kann. Eine besondere Publikation entspricht zudem der Bedeutung, die die Freundschaft und die geistige Auseinandersetzung mit dem berühmtesten und zugleich umstrittensten Publizisten des Deutschen Kaiserreiches für Rathenau hatte. Als Schriftsteller war er geradezu eine Entdeckung Hardens, und seine frühen Veröffentlichungen sind alle im Kontext des intensiven Meinungsaustausches mit dem Zukunft-Herausgeber entstanden, in dessen Zeitschrift er bis 1907 ausschließlich publizierte."

 

 

Als Rathenau im Oktober 1918 einen Aufruf zur Massenerhebung gegen unerträgliche Waffenstillstandsbedingungen publizierte (und sich damit den Ruf eines Kriegsverlängerers erwirbt), distanzierte Harden sich in der Zukunft schroff von dem robusten Gewissen eines Mannes, der den Frieden auszuschlagen vermöchte. Rathenau rechtfertigt sich in einem Schreiben an Harden und versucht ein letztes Mal, das alte Verhältnis zu erneuern. ( S. 750)

Walther Rathenau-Gesamtausgabe, hrsg. v. Hans Dieter Hellige und Ernst Schulin, Bd. 6: Walther Rathenau Maximilian Harden. Briefwechsel 1897-1920. München 1983

 

Nachdem Rathenau sich gegen Hardens Geheimpolitik hinter den Kulissen zunächst gegen Fürstenberg durchgesetzt hatte und im Dezember 1912 zum Aufsichtsratvorsitzenden der AEG gewählt worden war, entspann sich ein heftiger Machtkampf zwischen Felix Deutsch und Walther Rathenau um die Nachfolge des schwer erkrankten Emil Rathenau. Als Harden in diesem Zusammenhang den Inhalt eines vertraulichen Gesprächs sofort Lili Deutsch anvertraute, war der Bruch da. Zur Rede gestellt, machte Harden Ausflüchte, worauf Rathenau von ihm schriftlich das Einverständnis verlangte, jeden für einen Lügner zu erklären, der behaupte, daß Harden sich Dritten gegenüber herabsetzend über Rathenau äußere. Als Harden darauf schroff reagierte und auch einen letzten Verständigungsversuch von Rathenau ablehnte, sandte Rathenau seinem einstigen Freund sogar eine veritable Duellforderung auf Pistolen zu, (...) Harden lehnte Rathenaus Forderung glatt ab.

Seit diesen Januartagen 1913 war die Freundschaft zwischen dem Bankier und dem Publizisten definitiv beendet, wenn auch der Kontakt wiedergeknüpft wurde.

Freienwalder Hefte 3, Martin Sabrow, Walther Rathenau und Maximilian Harden, Facetten einer intellektuellen Freund-Feindschaft, Akademische Verlagsanstalt, 2000, S. 21-22

 

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Harden als Schauspieler

harden_nachatt.jpg (156527 Byte)Harden nach dem Attentat an Rathenau

 

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